Badische Zeitung / Kultur         13. Oktober 2010

 

Feinstofflicher Farbduft

Eine Ausstellung von Robert Euglers Bilder im Freiburger Morat-Institut

Wo vermeindlich nichts ist, kann das Auge mehr sehen. Das ist paradox, ist es aber nicht. Der Freiburger Künstler Robert Eugler präsentiert für nur wenige Tage im Morat-Institut Leinwände, die dies erfahrbar machen. Wenn man die Halle bei hellen Licht betritt, so könnte man zunächst meinen, an den Wänden hingen nur wenige Arbeiten. Ein stakes Rot, drei grüne Leinwände und ein Streifenbild ziehen den Blick an. Dazwischen befinden sich jedoch solche von zurückhaltender Farbigkeit. Denn insbesondere bei den ganz neuen Arbeiten liegt nur ein leiser Schimmer Farbe auf dem weißen Grund. Eines ist blau, ein anderes gelb, ein drittes unbestimmt braun-grün.

Die Bilder sind unterschiedlich durchlässig, behaupten ein opakes Für-sich-Sein oder lassen den Blick ins "Innere" zu, je nachdem wie dicht die Farbe aufgetragen ist. Obwohl sie gänzlich ohne Perspektivlinien, figürliche oder abstrakte Formen sind, vermag das Auge einen Raum zu ertasten: einen Bildraum, der zwischen der weißen Grundierung und den Pigmenten auf der Oberfläche liegt. Beim Sehen mischen sich die feinen Farbpunkte und erzeugen einen durch unsere Augenbwegung bewegten Raum, der an den Rändern Halt besitzt, da dort der Pinsel, als er über die Kante strich, verdichtete Farbpartikel hinterließ.

Robert Eugler malt seit Jahren mit Eitempera. Er streut Pigment auf den Tisch, taucht den Pinsel ein. Mit ruhiger Hand trägt er die Farbe sorgfälltig senkrecht und waagerecht auf. Unterschiedliche Schichten Grün, Gelb oder Blau liegen am Ende übereinander. Manche Bilder scheinen wie aus winzigen Partikeln einer Landschaft zusammengesetzt. Kastanienbraun, Mineralfeuerrot, Wismutgelb...Sie geben etwas Atmosphärisches wieder, einen feinstofflichen Farbduft von Wald, Wiese oder Stadt. Den Schritt zu diesen Bildern zeigen die frühen Leinwände. Dort sind die Farben pigmentreich und kräftig übereinandergelegt. Flecken oder Schichten erzeugen deutliche Raumtiefen. Eines, ein Streifenbild, erscheint von der Seite betrachtet wie schimmerndes Fell, so leuchtstark liegen die Pigmente auf seiner Oberfläche.

                                                                                                   Yvonne Ziegler

Robert Eugler im hellen Licht des Morat-Instituts Foto: Bernhard Strauss