So wenig wie möglich festhalten, wo wenig wie möglich dingfest machen
so ließe sich die Arbeit des Freiburger Künstlers Robert Eugler in knappen Worten umreißen. Eugler kommt es auf den Fluss der Erscheinungen an, auf die Bewegung zwischen dem, was ist, und dem, in was sich etwas noch verwandeln könnte. Dieses Interesse betrifft sowohl seine Bilder als auch sein Denken Über die Wahrnehmung und ihre Manifestationen. Robert Eugler ist ein Phänomenologe im Bereich der Bildenden Kunst, den mehr die Aggregatszustände interessieren als die Eindeutigkeit der Äußeren Erscheinung, das Wegkippen von Gewissheiten zugunsten einer Umorientierung des Gesicherten.
So hat der 46-Jährige die figürliche Malerei über die Abbildung von Tuchobjekten, ihre Faltenwürfe und dynamischen Verwicklungen hin zu abstrakten Kompositionen geführt, die in vertikalen oder horizontalen Linien die Gewebestrukturen der äußeren Erscheinungswelt sichtbar machen sollen - eine Entwicklung, die vom menschlichen Körper zum Tuchkörper zur Abstraktion verläuft. Das Ergebnis sind feinstoffliche Arbeiten, deren äußere Erscheinungsform im noch nicht gefassten Gedanken verortet ist. Wenn das Bild oder die Vorstellung zu konkret wird, gehe ich wieder raus", beschreibt Eugler seinen Arbeitsprozess - und oft nimmt er die Arbeit daran erst zu einem späteren Zeitpunkt wieder auf. Manchmal vergehen Monate, in denen er immer und immer wieder an ein und demselben Bild arbeitet.
Um dieses Aufscheinen von Wirklichkeit malerisch umzusetzen, greift Eugler auf Eitempera zurück. Eitemperamalerei ist ein Verfahren, bei dem Ei, Leinöl und Dammerharz mit Pigmenten zusammengerührt und mit dem Pinsel aufgetragen werden, so dass selbst bei kräftigem Farbauftrag eine ungewisse Transparenz bleibt. Das kommt Euglers Ansatz sehr entgegen. Stark deckende oder gar pastose Pinselstriche sind nicht seine Sache. Eher eine Art impressionistischer Farbgebung, die als solche zwar nicht beabsichtigt ist, uns aber so vorkommt, da wir in unserer Wahrnehmung dazu neigen, Oberflächenerscheinungen miteinander zu vergleichen. Das unablässige Fokussieren des Betrachters auf die Außen- und Innenwirkung der Bildräume, auf die Vergewisserung entdeckter Räume und deren Auflösung, auf die Transparenz des Lichtes, das die Dinge erst sichtbar macht, ist bei Eugler keine stilistische Anspielung auf den Impressionismus, sondern maltechnisch bedingt.
Spielen die Motive in seinen Arbeiten eine untergeordnete Rolle, so drängen sie sich in seinen Fotoarbeiten, die durch Langzeitbelichtung mit Zufall und Absicht spielen, in den Vordergrund. Und dennoch korrespondieren diese Arbeiten mit Robert Euglers Malerei. Auch in den Fotos spielt das Aufscheinen der Wirklichkeit eine große Rolle, die sich manchmal nur noch auf abstrakte Formelemente reduziert, bei denen sich unter Umständen nicht einmal mehr der aufgenommene Körper ausmachen lässt. Mit einem Unterschied: denn Licht spielt hier die genau entgegengesetzte Rolle. Es hebt das Motiv aus dem umgebenden Dunkel heraus. Und während Störendes hier bei der Bearbeitung entfernt wird, scheint es fast so, als würde Eugler das Licht bei seinen Tafelbildern geradezu hineinbemalen - und zwar solange, bis es selbst zum Bildträger wird.
Das Licht als eigentliche Substanz des Sichtbaren aufscheinen zu lassen, ohne es mit Effekten auf die Oberfläche zu bringen, ist denn auch das Faszinierende an den Arbeiten von Robert Eugler. Mit wachsender Entfernung des Blickstandpunktes verändern sie sich ihrerseits und umschließen so gewissermaßen das Konzept des Künstlers, seinen geistigen Hintergrund und seine künstlerische Intention. Ein gelungenes Beispiel künstlerischer Intellektualität und ihre Verwirklichung.

Paul Klock, März 2004
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